Corona-Pandemie

Mit Bedacht.

Zur Corona-Pandemie im Erzbistum Berlin.

Die Corona-Pandemie hat das kirchliche Leben im Erzbistum Berlin grundlegend verändert. Am offensichtlichsten war sicherlich, dass mehrere Wochen lang am Sonntag die Kirchentüren geschlossen blieben und keine Gottesdienste gefeiert werden konnten. Viele Gläubige haben in ihren Familien Hausgottesdienste gestaltet, Rundfunkgottesdiensten beigewohnt oder sich digital im Internet zum Gebet versammelt. Der Vorsitzende unseres Diözesanrats, Bernd Streich, sprach daher von einer „Stunde der Laien“.

Auch die gesellschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie beschäftigen die Menschen im Erzbistum Berlin. Die Herausforderungen durch geschlossene Kitas und Schulen für Kinder, Jugendliche und ihre Familien, die ausbleibenden Besuche von älteren Menschen in Seniorenresidenzen oder die drohende Gefahr des Arbeitsplatzverlustes sind nur einige Beispiele dafür.

Der Diözesanrat bündelt an dieser Stelle - seinem Selbstverständnis folgend - pastorale, soziale und politische Anliegen, Erfahrungen und Eindrücke der Katholikinnen und Katholiken im Erzbistum Berlin während der Corona-Pandemie.

Wortmeldungen aus dem Diözesanrat

Ausbeutung stoppen.

Michael Haas-Busch, Vorsitzender des Sachausschusses Migration und Integration des Diözesanrats

„Unser Sachausschuss beschäftigt sich im Rahmen des Themenkomplexes Arbeitsmigration auch mit ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen. Im Pflegesektor sind diese leider keine Seltenheit, insbesondere im Bereich der 24-Stunden-Pflege, sog. „live-in“-Kräfte. Wir sehen eine wichtige Aufgabe darin, über die Zusammenhänge aufzuklären und die politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger zum Handeln aufzurufen.“

ZdK-Papier: Gerechte Pflege in einer sorgenden Gesellschaft

Petition: Beschäftigungsverhältnisse in der häuslichen Betreuung jetzt legalisieren!

Stille Chöre.

Marie-Hélène Müßig, Mitglied im Vorstand des Diözesanrats

„Für die Chöre ist es sehr still. Es wird auf absehbare Zeit keine Chorproben geben. Unser Kirchenmusiker versucht jetzt kleine Gruppen á fünf Personen zu bilden, die dann zu den Hochfesten die Gottesdienste mitzugestalten. Bis Ende des Jahres sind alle Konzerte und große Messen abgesagt. Der Chorvorstand gibt jede Woche einen Newsletter heraus, in dem Chormitglieder berichten, wie es ihnen geht, Rezepte und Geschichten geteilt werden und über Neuigkeiten aus der Gemeinde informiert wird. Wer kein Internet hat, dem bringen wir den Newsletter ausgedruckt nach Hause.“

Kirchenchor von St. Ludwig

Rettet den Sommer.

Marcel Hoyer, Geschäftsführer des Diözesanrats

„Kinder und Jugendliche tragen eine besondere Last während der Pandemie. Sie konnten über Wochen weder ihre Kitas und Schulen besuchen, noch ihre Freundinnen und Freunde oder ihre Großeltern treffen. Die Gruppenstunden in den katholischen Jugendverbänden und unseren Gemeinden mussten ebenfalls ausfallen. Freizeitaktivitäten und außerschulische Bildung gab es de facto nicht oder nur sehr begrenzt digital. Und jetzt steht vermutlich ein Sommer ohne RKWs, Gruppenreisen und internationale Jugendbegegnungen vor der Tür. Ich setze mich dafür ein, dass Ferienreisen in festen Gruppen unter klaren Hygienevorgaben stattfinden können, damit junge Menschen - unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern - Kraft tanken und wertvolle Erfahrungen sammeln können.“

Lesetipp unseres Geschäftsführers: Bischof Overbeck zum Thema "Familie im Corona-Shutdown - erste Überlegungen" (In: Familienbund der Katholiken: Stimme der Familie, Heft 2/2020)

Informationen zur Zusammenkunft von Gremien

Mit seinem Rundschreiben Nr. 20 vom 26. Mai 2020 hat der Generalvikar klargestellt, dass Versammlungen im Erzbistum Berlin, wie z.B. die Sitzungen von Pfarrgemeinderat, Pfarreirat, Gemeinderat oder Pastoralausschuss, grundsätzlich möglich sind. Maßgeblich bei der Durchführungsentscheidung und bei der Umsetzung notwendiger Hygienemaßnahmen sind die Verordnungen des jeweiligen Bundeslandes.

Der Diözesanrat empfiehlt weiterhin die Möglichkeit von Video- oder Telefonkonferenzen in Betracht zu ziehen und Treffen nur bei konkreter Notwendigkeit durchzuführen.

Sollten Sie Beratungsbedarf haben, können Sie sich jederzeit sehr gern an unsere Geschäftsstelle wenden.

Streiflichter aus der Pastoral

Wir haben das Gespräch mit Engagierten aus verschiedenen Gemeinden im Erzbistum Berlin gesucht und einige ihrer Erfahrungen, ohne Anspruch auf Vollverständigkeit, zusammengetragen. Sie haben weitere Anregungen oder andere Eindrücke? Dann schreiben Sie uns!

Informationen weitergeben.

In der Corona-Pandemie profitieren die Kirchengemeinden, die ihre Gemeindemitglieder auf unterschiedlichen Kommunikationswegen erreichen können. Ein E-Mail-Verteiler lässt sich nicht spontan aufbauen. Steht er zur Verfügung, können Informationen zu den Gottesdienstzeiten, Anmeldeverfahren und Hygieneregeln unkompliziert weitergeleitet werden. In vielen Gemeinden werden Menschen ohne Internetzugang nicht vergessen: Ein Newsletter kann ausgedruckt auch in den Briefkasten gesteckt werden.

Eine solche Ergänzung zu Schaukasten, Webseite und Pfarrbrief kann besonders dann sinnvoll sein, wenn man die Gemeindemitglieder direkt ansprechen will, da sich zum Beispiel Gottesdienstzeiten geändert haben.

Gottesdienst feiern.

Wenn Sonntagsmessen aus Gemeinden im Live-Stream angeboten wurden, hatte dies sehr unterschiedliche Qualität. Die Schlichtheit der Gottesdienste sprach Menschen an, eine reine Fokussierung auf den Priester als handelnden Akteur konnte abschrecken. Manchmal erreichten die digitalen Angebote mehr Menschen als normalerweise am Gottesdienst teilnehmen. Die unterschiedlichen auch ökumenischen und interreligiösen Angebote des öffentlichen-rechtlichen Rundfunks werden gelobt. Neben der Eucharistie vermissen viele Gläubige die Gemeinschaftserfahrung und den Austausch vor und nach der Messe.

Seit Anfang Mai sind Gottesdienste wieder möglich, der Ansturm auf die begrenzten Plätze blieb aber aus. In einigen Gemeinden ist eine Voranmeldung gewünscht, in vielen können Gläubige spontan dabei sein, solang die Kapazitätsgrenze nicht erreicht ist. Gottesdienste mit großen Abständen und Masken, aber ohne Gemeindegesang und persönlichen Friedensgruß sind eine große Umstellung und können eine unwirkliche Gottesdienstatmosphäre schaffen. Wie unter Corona-Bedingungen würdig und in Gemeinschaft Heilige Messe gefeiert werden kann, wird kontrovers diskutiert.

Folgenreich.

Über die langfristigen Folgen der Pandemie für das kirchliche Leben kann heute nur spekuliert werden:

  • Wie entwickeln sich die Zahlen der Mitfeiernden an den Gottesdiensten?
  • Wie können neue digitale Angebote langfristig aufrechterhalten werden?
  • Wie gelingt der Start von Gruppen in der Pfarrei, die sich lange Zeit nicht treffen durften?
  • Wie steht’s um den Zusammenhalt in einem Chor, der mehrere Monate nicht gemeinsam musiziert hat?
  • Wie laufen die Besuchsdienste bei älteren oder kranken Gemeindemitgliedern wieder an?
  • Brechen die Kirchensteuern ein?

Eine grundsätzliche und systematische Auswertung der Erfahrungen und Erkenntnisse ist in jedem Fall mit dem notwendigen zeitlichen Abstand notwendig.