Meldung

Anlage zu PM vom 11. April 2014 - Schreiben an Pfarrer und Vorsitzende der Pfarrgemeinderäte der katholischen Kirchengemeinden in Berlin im Wortlaut

PRESSEMITTEILUNG

An die Herren Pfarrer und
die Damen und Herren
Vorsitzenden der Pfarrgemeinderäte
der katholischen Pfarrgemeinden
in der Stadt Berlin

 

 

„Der Fremde soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer; und du sollst ihn lieben wie dich selbst“
(Lev 19,34). – Aufruf zur Unterstützung von Flüchtlingen durch Bereitstellung von Unterkünften

 

Liebe Verantwortliche in Gremien unserer Gemeinden!

Flüchtlingshilfe steht aktuell im Fokus des öffentlichen, auch europäischen Interesses.
Papst Franziskus hat nicht nur mit seinem Antrittsbesuch auf Lampedusa Zeichen gesetzt, sondern auch
mit dem Aufruf, leerstehende Klöster als Flüchtlingsunterkünfte zu nutzen. "Integration ist ein
Recht der Flüchtlinge", so der Papst beim persönlichen Besuch des Migrantenzentrums Astalli
unweit des Kapitols im September 2013.

In unserer Stadt erleben wir in den letzten Monaten eine erfreuliche Offenheit und waches

Interesse am Schicksal von Flüchtlingen. So sorgte das beherzte Eingreifen von Caritas und
Diakonie im letzten Winter dafür, dass spontan 130 Flüchtlingen eine vorübergehende Aufnahme,
ein provisorisches Dach über dem Kopf, Essen und auch medizinische Versorgung gewährt werden
konnten.

Vor wenigen Tagen haben Flüchtlinge selbst nach 1 ½ Jahren freiwillig das Zeltlager auf dem

Oranienplatz aufgelöst. Die Räumung ist Teil eines Ergebnisses nach vielen Gesprächen, Aufbau
von Vertrauen und langem Atem bei dem Versuch, eine menschengerechte Lösung für die
Flüchtlingsproblematik zu finden. Flüchtlingsgruppen mit ungeklärtem Status haben nun das Senatsangebot einer fairen Einzelfallprüfung akzeptiert. In der ganzen Stadt wird "händeringend"
nach Wohnraum gesucht!

„Die Bereitstellung von Unterkunftsplätzen in Gemeinschaftsunterkünften ist knapp. Die Unterbringung
von Flüchtlingen in Wohnungen könnte die Situation erheblich entspannen.“, schreibt
das Landesamt für Gesundheit und Soziales. (http://www.berlin.de/lageso/soziales/wohnungen/)
Auch vorübergehende Unterkünfte sind eine Hilfe, um Asylsuchenden und Flüchtlingen ein Dach
über dem Kopf zu geben.

Der Sachausschuss „Migration und Integration“ des Diözesanrates hat sich des komplexen
Themas angenommen und möchte das Netz für alle schutzbedürftigen Flüchtlinge mit dieser
Bitte an Sie zur Mitwirkung stärken!

Aktuell stehen wir mit vielen Asylsuchenden in Kontakt, z.B. im Auffanglager Marienfelde, im Haus
zum Guten Hirten der Caritas in der Residenzstraße mit sog. „Lampedusa-Flüchtlingen“, am
Herrfurthplatz mit der ehemaligen Gruppe von Pariser-Platz-Flüchtlingen, in der Motardstrasse
mit der zentralen Erstaufnahmeeinrichtung oder auch in Neukölln-Britz mit vielen
neuankommenden, syrischen Flüchtlingen in einem Flüchtlingswohnheim.

Fast täglich erreichen uns dringliche und oft differenzierte Suchanfragen. So bitten etwa Pfarrer
Dr. Ernst Pulsfort und der Brandenburger Landtagsabgeordnete Dieter Dombrowski um
Vermittlungshilfe zur Unterbringung von sieben Familien, die syrische Bürgerkriegsflüchtlinge
sind.

Eine Professorin der KHSB steht in Kontakt mit einem 14jährigen Mädchen aus Damaskus, das mit
ihren Eltern und ihren beiden jüngeren Geschwistern seit acht Monaten hier ist. Das Mädchen ist
voller Zuversicht, dass der Papa eine Dreizimmerwohnung findet.

Fieberhaft suchen 13 Flüchtlinge nach Wohnalternativen. Noch sind sie großzügigerweise bis zum
15. April in Wohnungen der Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft untergebracht. Die
Frist wurde schon zwei Mal verlängert, doch renovierungsbedingt ist kein Aufschub mehr möglich.
Für die Hälfte der ehemals 25 Bewohner wurde ein Asylstatus erwirkt und Wohnraum gefunden,
doch besagte 13 Personen, die noch im Verfahren stehen, sind im Moment sehr besorgt, wie es ab
Dienstag weiter geht. Trotz guter, juristischer Begleitung und einem zuverlässigen
Unterstützerkreis ist Wohnraum nicht leicht zu finden…!

Immer häufiger gibt es auch Anfragen um kurzfristige Aufnahme von besonders
Schutzbedürftigen, etwa Opfer aus Menschenhandel oder Menschen, die von Abschiebung
bedroht sind und für die ein Kirchenasyl letzte Hilfe sein könnte.
Wir möchten anregen, in Ihren Gemeinden, Einrichtungen, Netzwerken, Bekannten- und
Freundeskreisen darüber zu sprechen, welche Möglichkeiten bestehen, kurz- oder langfristige
Unterkünfte für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen. Wir sehen in diesem Engagement eine „Win-
Win-Situation“ für alle Beteiligten!

 

Über positive Rückmeldungen würden wir uns sehr freuen. Bitte informieren Sie den Diözesanrat
(Tel.: 030 / 32684-206; Fax: 030 / 32684-203; E-Mail: dioezesanrat(ät)erzbistumberlin.de).
Gern stehen die Mitglieder des Sachausschusses „Migration und Integration“ auch für Rückfragen zur
Verfügung. Die Geschäftsstelle des Diözesanrates vermittelt die Kontakte.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Wolfgang Klose Lissy Eichert UAC
Vorsitzender des Diözesanrats Vorsitzende des Sachausschusses
„Migration und Integration“