Beschluss

Impuls zur Ermutigung für ökumenisches Handeln

BESCHLUSS

„Wo Gott ist, da ist Zukunft“: Unter diesem Leitsatz haben wir den Papstbesuch in Deutschland erlebt. Erfreut haben wir zur Kenntnis genommen, dass Papst Benedikt XVI. den von den Kirchen in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten gegangenen ökumenischen Weg bei der Begegnung mit Vertretern des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland im Erfurter Augustinerkloster ausdrücklich gewürdigt und die Bedeutung des gemeinsamen Betens wie des gemeinsamen Glaubenszeugnisses hervorgehoben hat. Wir danken ihm insbesondere dafür, dass er in der Anerkennung Martin Luthers als großen Glaubenszeugen einen Schritt auf die evangelische Kirche zu gegangen ist. Dies ist für uns eine wichtige Wegmarke im Hinblick auf das bevorstehende Reformationsgedenken 2017 und bestätigt die deutschen Katholiken in ihrem Interesse, „die ernsthafte und ehrliche Neubewertung der Reformation und der Person Martin Luthers aus katholischer Sicht mutig fortzuführen.“ 1

Wir wissen, dass die Spaltung der Kirche dem Willen unseres Herrn Jesus Christus widerspricht und der Glaubwürdigkeit der Christen schadet. Sie ist ein Skandal.2 Wir fragen uns: Wie lange wollen wir uns dem Willen des Herrn widersetzen? Es schmerzt uns sehr, dass wir mit den Christen anderer Konfessionen immer noch nicht gemeinsam Eucharistie feiern können. Wir nehmen viele Enttäuschungen wahr, die im Zusammenhang mit dem Besuch des Papstes entstanden sind. Zugleich wissen wir, dass uns der gemeinsame Glaube an den dreifaltigen Gott und die Taufe eng miteinander verbinden. Zur Überwindung der noch bestehenden Trennung sind verbindliche konkrete Schritte notwendig, die wir im Vertrauen auf Gott gehen wollen.

„Die zentrale ökumenische Aufgabe, in der wir uns gegenseitig helfen müssen“, sieht Papst Benedikt XVI. darin, „tiefer und lebendiger zu glauben“. Er sagte in Erfurt: „Wie uns die Märtyrer der Nazizeit zueinander geführt und die große erste ökumenische Öffnung bewirkt haben, so ist auch heute der in einer säkularisierten Welt von innen gelebte Glaube die stärkste ökumenische Kraft, die uns zueinander führt, der Einheit in dem einen Herrn entgegen.“ Der Papst betonte: „… nur durch tieferes Hineindenken und Hineinleben in den Glauben wächst Einheit.“ Glauben heißt für uns: Hören auf das Evangelium und danach handeln. „Seid aber Täter des Wortes und nicht Hörer allein, sonst betrügt ihr euch selbst“, heißt es im Brief des Jakobus 1,22. Dies gilt es in unserem ökumenischen Engagement noch stärker aufzugreifen. Beim bevorstehenden internationalen Taizé-Jugendtreffen in Berlin besteht dazu die Möglichkeit. Wir fordern alle Gemeinden und Verbände in Berlin und Umgebung auf, gute Gastgeber zu sein und bei diesem Treffen mit den Jugendlichen über den Glauben nachzudenken. Wir empfehlen diese Tage des Taizé-Treffens in Berlin in ökumenischer Gemeinschaft vor Ort zu leben. Dazu tragen auch ökumenische Jahresabschlussgottesdienste bei.

„Unser erster ökumenischer Dienst in dieser Zeit muss es sein, gemeinsam die Gegenwart des lebendigen Gottes zu bezeugen und damit der Welt die Antwort zu geben, die sie braucht“, sagte der Papst im Hinblick auf die Herausforderungen angesichts der fortschreitenden Säkularisierung. In den Satzungen von Diözesanrat, Dekanatsräten und Pfarrgemeinderäten ist jeweils als eine Aufgabe genannt: „ökumenische Zusammenarbeit suchen und fördern und sich um ein gemeinsames Glaubenszeugnis in der Gesellschaft bemühen“. Wir bekennen, dass uns dies immer noch nicht ausreichend gelingt. Uns schmerzen vertane Chancen eines glaubwürdigen Zeugnisses der Christen in der Gesellschaft. Wir ermutigen alle, sich verstärkt darum zu bemühen, in den Gemeinden, im Dekanat, im Erzbistum und auf Bundesebene.

Wir freuen uns über das Gelingen des ersten Ökumenischen Kirchentags Vorpommern in Greifswald im September 2011 unter dem Thema: „Voll das Leben. Freude in Fülle“. Es war ein Fest der Freude, der Begegnung und des Zeugnisses christlichen Glaubens. Wir danken allen, die zum Gelingen dieses ökumenischen Miteinanders für die Menschen im Norden unseres Erzbistums beigetragen haben, insbesondere der ACK Mecklenburg-Vorpommern und der Pommerschen Evangelischen Kirche. Wir sehen darin auch eine Ermutigung für Dekanate, Dekanatstage in ökumenischer Gemeinschaft zu feiern.

Im Hinblick auf den unter dem Motto „Im Heute glauben“ eingeleiteten Dialogprozess erklären wir, dass dieser im ökumenischen Geist geführt werden muss. In der Charta Oecumenica haben wir uns verpflichtet, Selbstgenügsamkeit zu überwinden und aufeinander zuzugehen. Dies soll auch in diesem Prozess zum Tragen kommen. Wir bedauern sehr, dass bisher kein bundesweiter 3. Ökumenischer Kirchentag verabredet wurde. Wir fordern daher die Beteiligten, insbesondere das Zentralkomitee der deutschen Katholiken und den Deutschen Evangelischen Kirchentag, auf, baldmöglichst zu einem 3. Ökumenischen Kirchentag zusammenzufinden.

Voller Optimismus sehen wir dem 3. Berliner Fest der Kirchen am 15. September 2012 in Berlin entgegen. Dieses Fest ist ein Zeichen ökumenischen Handelns. Wir rufen alle Gemeinden in Berlin und im Umland auf, sich gemeinsam mit ihren ökumenischen Geschwistern engagiert an der Vorbereitung und Gestaltung zu beteiligen.

„Wo Gott ist, da ist Zukunft“: Wir bitten den Heiligen Geist, unser ökumenisches Handeln auf dem Weg zur Einheit der Christen weiterhin zu begleiten und zur Vollendung zu führen.

1 Erklärung des ZdK „Um der Menschen Willen“ vom 14. Mai 2011

2 Vgl. Dekret über den Ökumenismus „Unitatis Redintegratio“ Nr. 1 (Absatz 1)