Beschluss

„Wo Glauben Raum gewinnt“

BESCHLUSS

„Der Ökumenismus, die Bewegung für die Einheit der Christen, ist nicht bloß irgendein ‚Anhängsel‘,das der traditionellen Tätigkeit der Kirche angefügt wird. Im Gegenteil, er gehört organisch zu ihrem Leben und zu ihrem Wirken und muss infolgedessen dieses Miteinander durchdringen …“ (Enzyklika „Ut unum sint“ von Papst Johannes Paul II. vom 25. Mai 1995, Nr. 20).

 

Auf verschiedenen Ebenen finden zahlreiche ökumenische Aktivitäten in unserem Erzbistum statt. Viele katholische Christen engagieren sich in ökumenischen Kreisen und Projekten. Der Ökumenismus muss deshalb, aber ebenso aufgrund der Verpflichtung, die unsere Kirche durch Unterzeichnung der Charta Oecumenica1 eingegangen ist, unbedingt auch im Prozess „Wo Glauben Raum gewinnt“ eine ausdrückliche Rolle spielen.

Die Antworten auf die pastoralen Fragestellungen zum Prozess „Wie schaffen wir es in einer veränderten gesellschaftlichen und kirchlichen Situation, Menschen mit Jesus Christus in Berührung zu bringen? Wie erreichen wir diejenigen, die Gott nicht kennen?“2 können nur ökumenisch erfolgen, denn die Menschen fragen nicht, was Katholiken denken und tun, sondern wie Christen glauben und handeln.

Wir regen an, bei der Suche nach neuen Orten und Partnern inhaltlich stärker als bisher darauf zu achten, wo es in den bisherigen evangelischen Kirchengemeinden und katholischen Pfarreien solche gemeinsamen Aktivitäten gibt und auch sie ausdrücklich als Orte kirchlichen Lebens im Findungsprozess zu benennen. Hilfreich wäre es dafür, an den gemeinsamen Orten kirchlichen Lebens und in den Gremien nicht übereinander, sondern frühzeitig miteinander zu sprechen.

Darüber hinaus ist darauf zu achten, dass bestehende Aktivitäten und Kontakte nicht strukturell durch neue organisatorische Zuständigkeiten gefährdet werden.

Auf der Grundlage seines Beschlusses vom 11. November 2000, in dem es heißt, „der Diözesanrat verpflichtet sich, in seiner gesamten Arbeit ökumenisch zu beten, zu denken und zu handeln“, regt der Diözesanrat an, den Prozess „Wo Glauben Raum gewinnt“ ökumenisch zu gestalten, und fordert:

  • Die Ökumene ist auf allen Ebenen des Prozesses strukturell, personell und inhaltlich in den Blick zu nehmen, z. B. sind die Moderatorenschulungen ökumenisch auszurichten.
  • Die zuständigen Gremien sollen zielstrebig die ökumenische Zusammenarbeit, insbesondere mit der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), suchen.
  • Zusätzlich zu den bisherigen Arbeitsgruppen für den Prozess soll eine Arbeitsgruppe „Ökumene“ eingerichtet werden, die in diesen Anliegen unterstützend tätig wird. In die anderen Arbeitsgruppen sind nach Möglichkeit Vertreter/innen aus anderen Kirchen des Ökumenischen Rates Berlin-Brandenburg (ÖRBB) zu berufen.
  • Die Gemeinden und Einrichtungen sollen für den Findungsprozess auch über Orte kirchlichen Lebens der Mitgliedskirchen des ÖRBB bzw. der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Mecklenburg-Vorpommern mit entsprechenden Karten bzw. Listen informiert werden – als Ergänzung zum Starter-Paket.
  • In jedem pastoralen Raum sollen rechtzeitig Ökumenebeauftragte benannt werden.

Der Diözesanrat setzt sich dafür ein, dass Erzbistum und EKBO intensiver in den Reform-Prozessen der beiden Kirchen zusammenarbeiten.

Vor allem durch gemeinsames Handeln können wir als Christen, katholisch, evangelisch, orthodox und freikirchlich, in der Gesellschaft sichtbar und wirksam werden und damit den Appell von Papst Franziskus erfüllen, auf dass sich der „Einsatz [der Laien] ... im Eindringen christlicher Werte in die soziale, politische und wirtschaftliche Welt“ auswirken kann. (Evangelii Gaudium Nr. 102).

 

1 Charta Oecumenica (Leitlinien von KEK und CCEE für die Zusammenarbeit der Kirchen in Europa) vom 22. April 2001

2 Wo Glauben Raum gewinnt - Pastorale Leitlinien für das Erzbistum Berlin, S. 4