Die Vollversammlung des Diözesanrats der Katholiken im Erzbistum Berlin hat am 18. April 2026 in Stralsund getagt. Vertreterinnen und Vertreter aus Pfarreien und Verbänden kamen an der Ostseeküste zusammen, um sich über aktuelle Herausforderungen auszutauschen und neue Perspektiven zu entwickeln.
Bereits am Vorabend der Vollversammlung wurde im Rathaus Stralsund beim Podiumsgespräch deutlich, wie eng regionale Entwicklungen und gesellschaftlicher Zusammenhalt miteinander verknüpft sind. Oberbürgermeister Dr. Alexander Badrow begrüßte die Teilnehmenden in der Hansestadt: „Wir wissen es zu schätzen, dass sie sich als Erzbistum zu uns auf den Weg gemacht haben.“ Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Kultur und Kirche wurde darüber diskutiert, wie sich Mecklenburg-Vorpommern seit der Wiedervereinigung entwickelt hat und welche Chancen und Herausforderungen die Region heute prägen. Anna-Theresa Hick, Geschäftsführerin der Störtebeker Festspiele, gab Einblicke in die Arbeit eines Kulturbetriebs und großen Arbeitgebers auf der Insel Rügen: "Ich muss jedes Jahr wieder neu zaubern.“
Einen sozial-karitativer Akzent setzte Martina Steinfurth, Leiterin der Lazarus-Dienste Stralsund, die erst am Vortag für ihr langejähriges Engagement mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden war. Mit Blick auf die gesellschaftlichen Herausforderungen hob sie hervor: „Zusammen Halt machen. Das ist die Voraussetzung für echten Zusammenhalt.“ Die Lazarus-Dienste sind ein ehrenamtliches Projekt in der Pfarrei St. Bernhard für Menschen in schwierigen Lebenssituationen.
Am Samstag widmete sich die Vollversammlung dem Schwerpunktthema ‚Fremdheit, Flucht und Migration‘. Ein Vortrag von Pater Fabian Retschke SJ vom Jesuiten-Flüchtlingsdienst eröffnete biblisch-theologische Perspektiven und regte zur Diskussion über die Verantwortung der Kirche in aktuellen gesellschaftlichen Debatten an. Zwei Menschen mit Fluchterfahrung schilderten ihre Ankunft in Deutschland und die Alltagsprobleme, die oft unsichtbar bleiben: lange Wege zu Einkaufsmöglichkeiten und bürokratische Hürden, die Integration erschweren. Sie berichteten auch über große Schwierigkeiten bei der Anerkennung von Schul- und Studienabschlüssen. Ergänzt wurde die Runde durch Jana Michael und Oberbürgermeister Stefan Fassbinder. Beide betonten, dass frühzeitige Teilhabe – insbesondere durch Arbeit – ein zentraler Schlüssel für gelungene Integration ist.
Ein Zeichen der Ökumene setzte Bischof Tilman Jeremias der Nordkirche, der die kirchliche Präsenz insbesondere im ländlichen Raum betonte.
Den spirituellen Mittelpunkt bildete ein Gottesdienst in der Kirche Heilige Dreifaltigkeit mit Ortspfarrer Johannes Schaan. Im Anschluss verlieh der Diözesanrat den Drei-Königs-Preis 2026 an das Greifswalder Integrationsprojekt ‚Sprachtandem‘, das Teilnehmern von Integrationskursen ehrenamtliche Tandempartnerinnen und -partner zur Seite stellt (zum Bericht über die Preisverleihung).
Die Vollversammlung zeigte, wie wichtig der Dialog zwischen Kirche, Gesellschaft und Politik ist. Neben inhaltlichen Debatten standen Begegnungen und persönliche Gespräche im Mittelpunkt – getragen von dem gemeinsamen Ziel, Verantwortung für ein solidarisches Zusammenleben zu übernehmen. Viele Teilnehmende nahmen neue Impulse und konkrete Anregungen für ihre Arbeit in den Gemeinden und Verbänden mit.
