Gedenk- und Begegnungsreise des Diözesanrats nach Breslau
Auf den Spuren des „Wunders der Versöhnung“ erkundete eine Gruppe des Diözesanrats vom 12. bis 14. September Breslau/Wrocław. Im Haus der jüdischen Familie Stein erinnerte die Gruppe an das Leid und Grauen der Shoah sowie an die Sehnsucht der Philosophin Edith Stein nach Wahrheit. Edith Stein, 1942 in Auschwitz ermordet, wurde 1998 von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen und 1999 zur Patronin Europas erklärt.
Im Zentrum der Reise stand das Gedenken an der Statue von Kardinal Bolesław Kominek mit seinem im Boden auf Polnisch und Deutsch eingelassenen Satz: „Wir vergeben und bitten um Vergebung“. Diese Worte seien beispielhaft für künftige Versöhnungsprozesse in Europa und darüber hinaus, betonte die Vorsitzende des Diözesanrats, Dr. Karlies Abmeier.
Die anschließende Heilige Messe im Breslauer Dom mit Erzbischof Dr. Heiner Koch und Weihbischof Maciej Małyga, die in polnischer und deutscher Sprache gefeiert wurde, unterstrich den gemeinsamen Willen zur Verständigung.
Für künftige Prozesse, so wurde deutlich, braucht es viele Begegnungen und einen ehrlichen Austausch über die jeweiligen Erfahrungen und Geschichtsbilder. Denn „die Steine sprechen nicht nur Polnisch“, wie die polnische Stadtführerin bei einem Rundgang durch Breslau bemerkte.
Die Gruppe kehrte zurück mit dem Vorsatz, weiterhin im Gespräch Brücken über Grenzen hinweg zu bauen – in der Hoffnung, dass Zuhören und das Anerkennen der jeweiligen Erfahrungen zur Überwindung von Gräben führen. Der gemeinsame christliche Glaube und das Beispiel der heiligen Hedwig, der großen Brückenbauerin des späten Mittelalters, die in Breslau und Berlin verehrt wird, können dabei bestärken. Erste Termine für weitere Begegnungen sind bereits ins Auge gefasst.
