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Nils Busch-Petersen zeichnet die Geschichte deutscher Warenhäuser nach.

Auf Einladung von Diözesanrat und Diözesangeschichtsverein sprach Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg, im voll besetzten Saal der Pfarrei Hl. Familie Prenzlauer Berg über die Rolle jüdischer Unternehmer bei der Entstehung der deutschen Warenhäuser.

Dabei gilt Birnbaum an der Warthe (heute Międzychód, Polen) als Wiege des deutschen Kaufhauses. Von dort stammen gleich mehrere Pioniere, die die Entwicklung des Konzepts "Warenhaus" wesentlich vorangebracht haben. Im späten 19. Jahrhundert machten sich Oscar und Leonhard Tietz die Erfahrungen aus den Kaufhäusern in Frankreich, Großbritannien und den USA zu Nutze: Sie setzten auf ein breites Sortiment statt einzelner Warengruppen. Kundinnen und Kunden konnten Kleidung, Textilien und Haushaltswaren unter einem Dach finden. Feste Preise, großzügige Umtauschregelungen und der Einsatz von Frauen als Verkaufspersonal machten die Warenhäuser noch attraktiver. 

Besondere Berühmtheit erlangten die „Weißen Wochen“ Anfang des Jahres. Oscar Tietz inszenierte Betten-, Bad- und Haushaltswaren in riesigen weißen Stapeln, unter hellem Licht und mit intensiver Werbung – eine Marketingidee, die bald viele andere Warenhäuser übernahmen. Auch architektonisch prägten die Warenhäuser die Städte: großzügige Schaufenster, repräsentative Fassaden und moderne Verkaufsräume machten sie zu städtischen Wahrzeichen. Bedeutende Architekten ihrer Zeit wurden damit beauftragt, moderne und repräsentative Kaufhäuser zu errichten. 

Der Vortrag erinnerte aber auch an die Brüche dieser Erfolgsgeschichte: Mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus wurden jüdische Kaufhausbesitzer diskriminiert, boykottiert und enteignet. Viele Familien mussten emigrieren oder verloren ihre wirtschaftliche Existenz. So zeigt die Geschichte der Warenhäuser nicht nur wirtschaftliche Innovation, sondern auch ein wichtiges Kapitel der deutsch-jüdischen Geschichte.

Nils Busch-Petersen berichtete schließlich von der Erinnerungskultur, die ihm ein großes Anliegen ist. So ist unter anderem die Handelsschule in Marzahn nach Oscar Tietz benannt und die angehenden Kaufleute kommen mit der Geschichte der jüdischen Pioniere deutscher Warenhäuser in Berührung . 

Die Veranstaltung fand anlässlich der "Christlich-Jüdischen Zusammenarbeit" statt.